Die Zukunft des Buchmarkts. Oder: Warum Routinen nicht weiterhelfen.

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Die Zukunft des Buchmarkts. Oder: Warum Routinen nicht weiterhelfen.

Nahezu alle Menschen, also auch Buchhändler, haben bestimmte Routinen. Routinen sind im weitesten Sinne Abfolgen von bestimmten Handlungen. Zumeist laufen diese Handlungen nach einem bestimmten Muster ab. So ist das morgendliche Zähneputzen eine Routine und dieses Zähneputzen folgt einem bestimmten Muster von Handlungen. Routinen haben den Vorteil, dass man über deren Ablauf nicht nachzudenken braucht, sie sind einem „in Fleisch und Blut übergegangen“. In erster Linie spart man mit Routinen Kraft und erst in zweiter Linie spart man Zeit. Das ist sinnvoll, denn von beidem – Kraft und Zeit – hat man prinzipiell zu wenig. Dennoch geht es vorrangig um die endliche Ressource „Kraft“.

 

Routinen bestimmen den Alltag – leider

Beobachtet man das ein wenig genauer, fällt auf, dass nur der allergeringste Teil unseres Alltags frei von Routinen ist. Ganz im Gegenteil: Routinen dominieren unseren Tagesablauf. Dies deutet darauf hin, dass das Kraftsparen ein vorrangiges Ziel unserer Alltagsgestaltung ist. Betrachtet man nun die eigene Erwerbstätigkeit als einen maßgeblichen Teil des Alltags, kann man den Rückschluss ziehen, dass das Kraftsparen auch im Beruf eine wichtige Rolle spielt. Angesichts der Tatsache, dass der private Alltag der meisten Menschen sich überhaupt erst nach deren beruflichem Alltag richtet, liegt diese Sichtweise nahe.

 

In erster Linie spart man mit Routinen Kraft und erst in zweiter Linie spart man Zeit. Das ist sinnvoll, denn von beidem – Kraft und Zeit – hat man prinzipiell zu wenig.

Somit erfüllen Routinen auch beruflich einen Zweck: Sie ermöglichen angesichts wiederkehrender Aufgaben und Herausforderungen ein relativ energieeffizientes „Gleiten“ durch den Tag, die Woche, das Jahr. Wo sonst permanente Organisation und Reorganisation nötig wären, geben Routinen Strukturen vor. Anstelle von Unsicherheit erzeugen Routinen Sicherheit und sparen damit Kraft.

 

Routinen verhindern Zukunft, weil sie falsch verstanden werden

Befragt man allerdings Unternehmer, deren Tagesablauf im besonderen Maße durch Routinen dominiert wird, zeigt sich Folgendes: Weder fühlen sie sich in ihrem Tun besonders sicher noch sind sie dabei allzu kraftvoll. Eher das Gegenteil ist der Fall. Sie sehen sich vor Herausforderungen gestellt, die sie kaum bewältigen können. Zudem reicht ihre Energie hinten und vorne nicht.

Diese Konstellation legt zwei Schlüsse nahe: Entweder wirken Routinen – ganz allgemein gesprochen – doch nicht unbedingt kraftsparend oder die Routinen der Unternehmer – ganz speziell betrachtet – wirken eher verunsichernd und kraftraubend. Die Arbeits- und Verhaltensökonomie zeigen allerdings allzu deutlich, dass nicht Routinen in ihrer Gesamtheit, sondern die Ausübung von bestimmten Routinen durch Einzelne nicht funktionieren. Mit anderen Worten: Die Routinen, die den Arbeitsalltag und Arbeitseinsatz der meisten Menschen definieren, sind zwar gut gedacht, aber schlecht gemacht.

 

Wenn Routinen nicht funktionieren hält man trotzdem daran fest? Ja!

Warum aber sollte das so sein? Warum sollten die zahlreichen Routinen, die insbesondere Unternehmer sich im Laufe der Zeit angeeignet haben, ihren eigentlichen Zweck nicht erfüllen? Oder noch spitzer gefragt: Warum widersprechen die ausgeführten Routinen ihrem Zweck? Das liegt vor allem daran, dass nur eine Seite der Medaille betrachtet wird, obwohl es doch zwei Seiten gibt: Denn Sparen – auch Energiesparen – ist kein Selbstzweck. Sparen ist immer dann sinnvoll, wenn klar ist, wofür gespart wird. Erst aus dieser Verbindung von Mittel und Zweck ergibt sich Sinn. Aus diesem Sinn ergibt sich langfristige Motivation. Erst aus dieser Motivation ergibt sich Energie.

Auf den Einsatz von Routinen und das Sparen von Kraft im Arbeitsalltag bezogen bedeutet das Folgendes: Die Kraft, die im Arbeitsalltag gespart wird, soll nicht einfach nur gespart werden, um weniger davon auszugeben. Es geht vielmehr darum, an einer Stelle des Arbeitsalltags Kraft zu sparen, um genau diese gesparte Kraft an anderer Stelle außerhalb des Arbeitsalltags einzusetzen. Sparen ohne Ziel ist schlichte Entsagung. Das ist im Unternehmerischen unsinnig.

Denn wenn der gesamte Arbeitstag durch Routinen und alltägliche Arbeit strukturiert ist, verliert die Routine ihren Zweck. Wenn Routine zum Selbstzweck wird und keine weiteren Freiräume schafft, wird sie selbst zum Bremsklotz. Langfristig zieht schließlich niemand Motivation aus dem Alltäglichen, sondern aus dem Besonderen. Und genau dafür, für das Besondere und Außeralltägliche, sollen Routinen Kraft sparen.

 

Ein negativer Kreislauf ist in Gang gesetzt

Es ist somit ein negativer Kreislauf, der sich solange wiederholt, wie die Routine die Arbeitsabläufe im Kleinen wie im Großen dominiert. Wenn alltägliche Arbeit absolut gesetzt wird, orientiert sich im Folgenden nämliche jede weitere Tätigkeit an eben jenen Arbeitsabläufen und v.a. an den Zielen eben jener Arbeitsabläufe. Wenn aber das Ziel lediglich das Kraftsparen ist, wird jedes Handeln, das losgelöst von dieser Routine ist, als überflüssig, gar bedrohlich wahrgenommen. Eben weil es die Routine, das Kraftsparen, bedroht und vermeintlich zusätzliche Kräfte mobilisiert werden müssen, um Dinge zu verwirklichen, die im Alltag nicht eingeplant sind.

Ergänzt man das Sparen von Kraft hingegen mit sinnvollen Zielen (d.h. im Alltag wird Kraft gespart, um anschließend mit der gesparten Kraft etwas Außeralltägliches zu erreichen);  erst dann bekommen Routinen Sinn. Und auch erst dann ist man in der Lage, einen höheren Sinn in seinen Routinearbeiten zu erkennen. Wo nämlich vorher Arbeiten nur erledigt wurden, „weil sie gemacht werden müssen“, steht nun ein höheres Ziel. Wo vorher der eigenen Routine ihre Entwertung bereits eingeschrieben war, werden Routine und Arbeit aufgewertet.

 

Routinen sind oft ein Klotz am Bein

Hier schließt sich der Kreis zum Unternehmer und seiner Daseinsberechtigung: Er soll schließlich gestalten statt verwalten; sich ausrichten, statt sich einzurichten. Dies kann jedoch mit einem solch schweren Klotz am Bein (und genau das sind falsch verstandene Routinen) kaum gelingen.

Es geht bei der kritischen Einordnung von Routinen nicht um eine simple Effizienzsteigerung im Sinne eventuell entbehrlicher Aufgaben und Tätigkeiten. Nein. Es geht um eine Revitalisierung des eigenen unternehmerischen Tuns mittels seiner eigenen selbstgewählten und selbstgestalteten Routinen. Es geht um einen Perspektivwechsel auf die eigenen Routinen und damit gleichzeitig um einen neuen Blick auf die eigenen, begrenzten Ressourcen.

Diese Revitalisierung ist keinesfalls esoterisch, sondern essenziell. Ihr geht schließlich unvermeidbar die Frage voraus, wofür man seine Arbeit eigentlich macht. Wer nun sagt, er tue das, was er tut und wie er es tut lediglich um zu tun, was er ohnehin tut – derjenige hat etwas Falsches verinnerlicht und lebt täglich neu nach diesem falschen Maßstab. Er reproduziert Routinen und sieht bereits in deren Reproduktion selbst ein Ziel. Dies ist der Samen eines letztlich fruchtlosen Unternehmerethos namens „Weiter so, es geht nicht anders.“ Das ist eine unproduktive Sicherheit.

 

Wer sagt, er tue das, was er tut und wie er es tut lediglich um zu tun, was er ohnehin tut – derjenige hat etwas Falsches verinnerlicht und lebt täglich neu nach diesem falschen Maßstab.

 

„Wozu mache ich das alles überhaupt?“ Das sollte man wissen…

Lohnens- und lebenswerteres hingegen lässt sich erreichen, wenn man eine gescheite Antwort auf die Frage nach dem „Wozu?“ hat. Im kleinen wie im großen Maßstab wird die Arbeitsmotivation und -zufriedenheit langfristig damit gesichert, lohnende Ziele zu erreichen und entsprechende Belohnungen – in welcher Form auch immer – zu erhalten. Ohne Ziele und Belohnung geht es nicht langfristig.

Im größeren Kontext geht zudem eine größere Arbeitszufriedenheit mit einer größeren Produktivität und Einsatzbereitschaft einher. Das verweist wiederum auf ein insgesamt höheres Energielevel. Somit ist bei einer kritischen Hinterfragung der eigenen Routinen auf allen Ebenen etwas gewonnen und idealerweise wird aus dem negativen Kreislauf von Routine und Erschöpfung ein positiver Kreislauf von Energie und Zielerreichung. Das ist nichts anderes als eine fundamentale Verbesserung des eigenen unternehmerischen Tuns und Seins. Dazu ist eine produktive Unsicherheit zwingend nötig und diese muss – entgegen der Intuition – immer wieder aktiv hergestellt werden.

 

Aus dem negativen Kreislauf von Routine und Erschöpfung wird ein positiver Kreislauf von Energie und Zielerreichung.

 

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